Lichterketten am Nachthimmel über Kerpen: Was hinter den Starlink-Satelliten steckt
Starlink-Lichterketten sind auch über Kerpen sichtbar — ein Thema das Technik, Alltagsbeobachtung und globale Machtpolitik verbindet.
Wer in einer klaren Nacht den Himmel über Kerpen beobachtet, sieht sie manchmal: eine Reihe gleichmäßig wandernder Lichtpunkte, aufgereiht wie eine Perlenschnur, die lautlos über den Himmel zieht. Kein Flugzeug, keine UFOs — es sind Starlink-Satelliten von SpaceX. Und ihre Zahl wächst rasant.
14.200 Satelliten — zwei Drittel gehören einem Mann
Im Jahr 2025 umkreisten bereits über 14.200 aktive Satelliten die Erde. Allein Starlink betreibt davon rund 10.000 — stand März 2026 waren es exakt 10.161. Alle anderen Länder und Unternehmen der Welt zusammen kommen auf etwa 4.853. Diese Schieflage ist einmalig in der Geschichte der Raumfahrt.
Bis 2019 gab es weltweit nur rund 2.000 aktive Satelliten. Dann startete SpaceX sein Starlink-Programm — heute starten manchmal mehrfach pro Woche neue Satelliten. Am 10. Juni 2026 war der Start der Mission 17-44 geplant — weitere Satelliten auf dem Weg in den Orbit.
Sichtbar auch über Kerpen
Die Erftauen bei Kerpen und die ruhige Landschaft rund um Horrem und Sindorf bieten ideale Bedingungen für Himmelsbeobachtungen. Wer die Satellitenformation sucht, findet an der Erft oder auf den Feldern Richtung Buir einen dunklen und freien Beobachtungsplatz.
Wer die nächste Sichtung nicht verpassen möchte, findet minutengenaue Vorhersagen auf heute-am-himmel.de. Kurz nach einem Start fliegen die Satelliten noch dicht beieinander und bilden die charakteristische Perlenschnur — ein bis drei Minuten lang sichtbar.
Problem für Hobbyastronomen: Störstreifen im Teleskop
Was für viele ein faszinierendes Spektakel ist, bereitet Astronomen Sorgen. Teleskop-Langzeitbelichtungen werden durch die durchziehenden Satelliten mit hellen Störstreifen durchkreuzt. SpaceX reagierte mit dunkleren Satellitendesigns, doch das Problem bleibt. Bis 2030 könnten 50.000 bis 100.000 Satelliten im niedrigen Erdorbit kreisen.
Geopolitik von oben
Dass ein einzelnes Privatunternehmen zwei Drittel der globalen Satellitenkommunikation kontrolliert, ist längst eine sicherheitspolitische Frage. Starlink erwies sich im Ukraine-Krieg als entscheidend für militärische Kommunikation. Die internationale Regulierung des Orbits hinkt der Realität weit hinterher.
Der Himmel über Kerpen sieht leer aus. Er ist es schon lange nicht mehr.

