Vor OrtQuelle: Redaktion kerpen.today

Manheim in Kerpen: Umsiedlung, neuer Ort & Zukunft der alten Kirche

Stand: 2. Oktober 2026 · Fehler entdeckt? Hinweis senden

Kerpen-Manheim ist ein Ortsteil, der wegen des Braunkohletagebaus Hambach komplett umgezogen ist: Die Bewohner leben heute im neu gebauten Manheim, das seit März 2024 offiziell nicht mehr „Manheim-neu“ heißt. Vom alten Dorf ist vor allem die Kirche geblieben – sie soll zum Mittelpunkt eines Kulturparks werden.

Warum Manheim umgesiedelt wurde

Das alte Manheim lag im Vorfeld des Tagebaus Hambach. Wie die Nachbarorte musste es der Braunkohle weichen. Vor der Umsiedlung lebten dort rund 1.700 Menschen. Der Bürgerbeirat legte bereits 2008 Grundsätze für den neuen Ort fest, darunter, dass der Zusatz „-neu“ nach Abschluss der Umsiedlung entfallen soll. Der Umzug selbst zog sich über rund 15 Jahre. Laut Berichten ist ein großer Teil der Dorfgemeinschaft – rund 70 Prozent – mit in den neuen Ort gezogen.

Manheim heute: der neue Ort

Das neue Manheim gehört weiterhin zu Kerpen und hat die Postleitzahl 50171. Schon 2019 wohnten dort rund 1.200 Menschen. Die Stadt investierte damals rund 8,2 Millionen Euro aus RWE-Entschädigungsmitteln in die Infrastruktur.

  • Bürgerzentrum
  • Sportplatz mit Kunstrasen
  • Friedhof mit Kapelle
  • Kindergarten „Pusteblume“
  • drei Spielplätze, Hundewiese und Rodelhügel
  • „Et Kapellche“: eine Kapelle von 1772, die Stein für Stein abgetragen und im neuen Ort wieder aufgebaut wurde

Im März 2024 erklärte die Stadt die Umsiedlung für abgeschlossen und tauschte die Ortsschilder aus: Aus „Manheim-neu“ wurde wieder „Manheim“. Ortsvereine und RWE feierten den Abschluss mit einem Fest.

Manheim-alt: Was vom alten Dorf übrig ist

ThemaStand
BewohnerAnfang 2024 noch 22 Haushalte, inzwischen weitgehend verlassen
Kirche St. Albanus und Leonhardus2019 entweiht, denkmalgeschützt, bleibt erhalten
Glockenins neue Manheim gebracht
ZugangStraßen öffentlich, Grundstücke abgesperrt
ZukunftKirche und Kulturpark, erster Bauabschnitt bis 2029 geplant

Anfang 2024 wohnten in Manheim-alt nur noch 22 Haushalte. Die meisten Häuser sind inzwischen abgerissen oder vernagelt. Die Straßen sind laut einem Bericht vom August 2026 weiterhin öffentlich zugänglich, die einzelnen Grundstücke aber mit Bauzäunen gesichert. Betreten Sie diese nicht.

Die Kirche wird zum Kulturpark

Die frühere Pfarrkirche St. Albanus und Leonhardus wird nicht abgerissen. Unter dem Dach von Neuland Hambach, der Gesellschaft für die Zukunft der Tagebauregion, soll gemeinsam mit der Kolpingstadt Kerpen ein Kultur- und Veranstaltungspark entstehen. Eine Prüfung der Bausubstanz ergab, dass das Gebäude in vergleichsweise gutem Zustand ist. Nötig sind unter anderem eine Fassadenreinigung, eine Dachsanierung, neue Fenster und Arbeiten am Innenputz, der teilweise asbestbelastet ist.

Die Rahmenplanung des Büros HJPplan+ wurde im Herbst 2025 der Kerpener Politik vorgestellt. Sie sieht ein rund 12 Hektar großes Gelände mit der Kirche als Mittelpunkt vor. Geplant sind Ausstellungen, Kulturveranstaltungen, Open-Air-Feste, ein Pumptrack für Radfahrer und möglicherweise eine Ausstellung von Tagebaugeräten. Bis 2029 sollen im ersten Abschnitt die Kirche denkmalgerecht und barrierefrei saniert und ein „Pionierbau“ errichtet werden: mit Toiletten, Infopunkt, Rastplatz und Fahrrad-Reparaturstation am künftigen Rundweg „Hambach Loop“.

Und danach: der Hambacher See

Der Tagebau Hambach läuft noch bis Anfang der 2030er-Jahre. Danach soll das Restloch mit Rheinwasser zu einem der größten Seen Deutschlands geflutet werden. Die Manheimer Kirche läge dann in der neuen Seelandschaft. Ganz in der Nähe liegt übrigens auch der Erftlandring, die Kartbahn, auf der Michael Schumacher seine Karriere begann.

Quellen: neuland-hambach.de (Rahmenplanung Kirche und Kulturpark; Bausubstanzprüfung), radioerft.de (22.03.2024), rheinische-anzeigenblaetter.de (27.08.2019; 10.10.2023), verliebtinkoeln.com (Manheim-alt; Manheim-alt Kirche). Stand: Oktober 2026.

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